Culterra 39
Weidewälder, Wytweiden, Wässerwiesen - Traditionelle
Kulturlandschaft in Europa
KONOLD, W., REINBOLZ, A., YASUI, A. [Hrsg.] (2004)
Aus dem Vorwort
Alte Kulturlandschaft - dieser Begriff scheint Markenzeichen zu
sein für ökologischen Wert, Wirtschaften im Einklang mit
der Natur und ein romantisches Gefühl von Beständigkeit
in einer Gesellschaft, die sich schneller wandelt, als manche mithalten
können. Schon der äußerliche Verdacht der historischen
Abstammung einer Landschaft genügt, um diese Verbundenheit
zu wecken. Das gilt für die Steineichen-Haine in der spanischen
Extremadura genauso wie für die Wytweiden im Schweizer Jura
oder das Mosaik der Weidelandschaft im südlichen Schwarzwald.
Doch was ist eine "alte Kulturlandschaft"? Werden damit
Landschaften bezeichnet, die seit Jahrhunderten im Einklang mit
der Natur und immer auf die gleiche, bewährte Weise bewirtschaftet
werden? Und ist die Erhaltung dieser Wirtschaftsformen der Schlüssel
für die Erhaltung dieser Landschaften? Vier Untersuchungen
in Zentraleuropa und dem Mittelmeerraum haben sich mit diesen Themen
beschäftigt und Nutzungssysteme auf unterschiedliche Weise
analysiert. Das Ergebnis: Beständig in allen Kulturlandschaften
ist allein der Wandel. Auch in früherer Zeit haben Nutzer nicht
Nachhaltigkeit angestrebt, sondern Ertrag. Sie haben durch ihr Wirtschaften
mancherorts Standorte geschaffen, die nährstoffarm sind, Nutzungssysteme,
die zeitlich begrenzt funktionieren, und mit großem Eifer
neue Wege gesucht, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Das schmälert
jedoch nicht den heutigen Wert der daraus entstandenen Landschaften:
Vielfalt und Eigenart sind häufig das Ergebnis dieser Wirtschaftsweise.
Sollen diese Werte Bestand haben, dann ist Stillstand der falsche
Weg. Nur das Studium der historischen Vorgänge und die sorgsame
Übersetzung dieser Erkenntnisse in Nutzungsstrategien für
die Zukunft bieten die Chance auf ein dauerhaftes Fortbestehen lieb
gewonnener Landschaften. Kulturlandschaft ist Landschaft im Wandel.
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