Culterra 55
Authentisch oder inszeniert
– Landschaftskulturen des ungarischen Siedlungsgebiets Gyimes und des Fürstlichen Parks Inzigkofen
SCHAICH, H. & KONOLD, W. (Hrsg.) (2008)
Aus dem Vorwort
Historische Kulturlandschaften und Parklandschaften – auf den ersten Blick stehen diese Landschaften eher für große Gegensätze als für Gemeinsamkeiten: Hier durch die kontinuierliche Interaktion von Mensch und Natur über Jahrhunderte gewachsenen, authentischen Landschaften, dort die vom Menschen im Sinne einer zeitgenössischen Denkweise in kurzer Zeit künstlich stark veränderten, inszenierten Landschaften. Beide Kulturlandschaften stechen jedoch als „seltene Juwelen“ aus der Vielfalt der europäischen Landschaften hervor. Ihre Landschaftsbilder werden von vielen Menschen als sehr reizvoll und ästhetisch ansprechend, ja als romantisch empfunden, und gepaart mit ihrer reichhaltigen Lebensraumausstattung ergibt sich eine charakteristische Eigenart, die als einzigartig und besonders erhaltenswert wahrgenommen wird.
Diese Bewertung trifft sowohl für die authentische, landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft des von Ungarn besiedelten Gyimes-Tal in Rumänien, als auch für die inszenierte Natur des an den Steilhängen des oberen Donautals gelegenen Fürstlichen Landschaftsparks Inzigkofen zu. Dabei sind diese beiden Landschaften nicht nur das Ergebnis ganz unterschiedlicher naturräumlicher Bedingungen, sondern auch ganz verschiedener Landschaftskulturen, also der Art des menschlichen Umgangs mit der natürlichen Ausstattung der Landschaft und den dahinterstehenden gesellschaftlichen Werten und Denkweisen. Welche Elemente und Wertigkeiten prägen nun diese so reizvollen Landschaften? Was waren die landschaftskulturellen und geschichtlichen Entstehungsbedingungen? Und wie können diese Landschaften unter den gewandelten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen entwickelt werden und spezifische Elemente und Wertigkeiten erhalten werden?
Diesen Fragen spüren die beiden Untersuchungen am Rande der rumänischen Karpaten und der Schwäbischen Alb mit unterschiedlichen Schwerpunkten nach: Im Gyimes wird die historische Landschaftsanalyse mit einer sozial-empirischen Untersuchung der Landschaftswahrnehmung durch Touristen und Bewohnern verknüpft, um die aktuelle Landschaftskultur und Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen. Die Entstehungsgeschichte des Fürstlichen Parks wird durch eine Analyse des aktuellen Zustands ergänzt, um unter Abwägung von Schutz- und Nutzungsinteressen ein Entwicklungskonzept für den Park zu entwerfen. In der isolierten Lage des Gyimes hat sich durch eine archaisch anmutende Wirtschaftsweise eine authentische Kulturlandschaft über Jahrhunderte bis heute erhalten, in Inzigkofen hat die Aufgabe von Pflegeeingriffe aus der einstigen Inszenierung von Natur eine schöne Interpretation von „Wildnis“ gemacht. An unterschiedlichen Ausgangspunkten stehend, sorgt aber in beiden Landschaften die gewissenhafte Analyse vergangener und aktueller Landschaftskulturen für Ideen zur behutsamen Weiterentwicklung dieser Landschaften, um deren Eigenart und besondere Vielfalt in die Zukunft zu übersetzen.
Harald Schaich & Werner Konold
Inhalt
SOLYMOSI, K.: Landschaftsveränderung und Landschaftswahrnehmung im Gyimes – Ein ungarisches Siedlungsgebiet in den rumänischen Ostkarpaten
GLAUM, A. K.: Entwicklungskonzept für den Fürstlichen Park in Inzigkofen – Synergien zwischen Gartendenkmalpflege, Naturschutz und Forstwirtschaft (inkl. CD mit Planungsunterlagen und Karten)
Die Beiträge entstanden aus den Diplomarbeiten der beiden Autorinnen, die in den Jahren 2006 und 2007 am Institut angefertigt wurden.
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