Die Mispel (Mespilus germanica) im Breisgau und im nördlichen Markgräflerland: Ehemalige und
heutige Verbreitung
Manuel Jansen, Bachelorarbeit - 2011
Hintergrund:
Die Mispel (Mespilus germanica) gehört - wie viele andere Obstgehölze auch - zur Familie der Rosengewächse
(Rosaceae). Der sparrige und breit ausladende Strauch oder kleine Baum blüht als letzter unserer Obstbäume von Mai bis Juni.
Die Mispel stammt - entgegem ihrem wissenschaftlichen Namen - aus Vorderasien (Küstenbereiche des Schwarzen Meeres über den
Kaukasus bis Nordiran und Irak), wo sie schon seit beinahe 3000 Jahren als Obstart angebaut wird, wurde aber seit altersher weit
über das Ursprungsgebiet hinaus kultiviert, zunächst in Süd- und Südosteuropa, später auch in Mittel- und
Westeuropa. Wahrscheinlich brachten die Römer die Art vor etwa 2000 Jahren nach Deutschland, wo sie seither hier und da auch
verwildert anzutreffen ist, allerdings nur in den wärmsten Gebieten des Landes (z.B. am Niederrhein, in Sachsen und Thüringen,
an Saar und Mosel, im Kraichgau und v.a. in Heidelberg). Im Mittelalter war die Mispel in weiten Teilen Mitteleuropas ein beliebter
Obstbaum; so wird die Art u.a. in der Landgüterordnung Karls des Großen (Capitulare de villis et curtis imperialibus;
etwa 795) sowie in den Bepflanzungsplänen des St. Galler Klostergartens (820) erwähnt. Die Früchte, die im
Spätherbst erst nach Frosteinwirkung oder längerem Liegen teigig und damit roh genießbar werden, wurden v.a. zu
Mus oder Marmelade verarbeitet, in nicht voll ausgereiftem Zustand wegen ihres Gerbstoffgehaltes auch zum Klären und
Haltbarmachen von Obstsäften und -weinen verwendet, ähnlich wie die Früchte des Speierlings (Sorbus domestica).
Mittlerweile ist die Mispel in Mitteleuropa aber wieder stark in Vergessenheit geraten, wird nur noch wenig gepflanzt und kaum noch
genutzt. Im Zusammenhang mit der Abnahme des Anbaus sind auch die verwilderten Vorkommen zurückgegangen.
Zielsetzung:
Aus dem Untersuchungsgebiet (Breisgau, nördliches Markgräflerland) gibt es zwar einige ältere Fundangaben sowie Hinweise,
dass die Art hier um 1900 z.B. am Kaiserstuhl noch zahlreich kultiviert und spontan vorkam; aktuelle Verbreitungsdaten sind in der
Literatur jedoch kaum zu finden. Häufig ist bei Angaben zur Verbreitung auch unklar, ob es sich um Anpflanzungen bzw. Kulturrelikte
oder verwilderte Vorkommen handelt. Da die Mispel, die - zumindest in Deutschland - als eher schlecht untersucht und deren Verbreitung
in Baden-Württemberg als unzulänglich bekannt gilt, im Gelände häufig übersehen bzw. als vermeintlicher Neophyt
nicht beachtet wird, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Art im Gebiet doch weiter verbreitet ist und häufiger verwildert
auftritt, als es aktuelle, publizierte Verbreitungsdaten vermuten lassen. Die Bachelorarbeit zielt also nicht nur darauf ab, die Art
ausführlich zu beschreiben (Morphologie, Ökologie, Anbaugeschichte, Verbreitung, Nutzen & Verwendung usw.), sondern auch
einen Flächenbezug herzustellen, indem die ehemalige und die tatsächliche heutige Verbreitung im Gebiet untersucht sowie die
Standorte verwilderter Mispeln charakterisiert werden (Lage, Untergrund, Begleitvegetation etc.). Möglicherweise wird dann zum
Beispiel deutlich, in welchen Gebieten und auf welchen Standorten sich die wegen ihrer Seltenheit potentiell gefährdete und aus
vielerlei Gründen schützenswerte Art bis heute hat behaupten können. Aus diesen Ergebnissen lassen sich dann
naturschutzfachliche Empfehlungen ableiten.
Vorgehensweise:
Im ersten Teil der Bachelorarbeit soll die Art zunächst mithilfe einer Literaturstudie umfassend dargestellt werden. Im zweiten
Teil sollen dann zum einen alle verschollenen bzw. historischen Vorkommen, die zuvor in älteren Lokalfloren recherchiert wurden,
im Gelände überprüft werden, zum anderen soll gezielt an für die wärmeliebende Art in Frage kommenden Standorten
(lichte Wälder, aufgelassene Weinberge und Obstgärten, Hecken, Feldgehölze und Gebüsche, Raine, Weg- und
Waldränder, Hohlwege etc.) in geeigneten Gebieten (Kaiserstuhl, Freiburger Schlossberg, Vorbergschollen der Freiburger Bucht,
Sulzburg-Staufener Vorberge, Emmendinger Vorberge, Süd-/Südwesthänge der Schwarzwaldrandtäler) nach bisher
unbekannten Vorkommen gesucht werden. Grundeinheit der Kartierung sind TK25-Quadranten. Eine Literaturrecherche (v.a. neuere Florenwerke,
vegetationskundliche Gebietsmonographien) sowie Anfragen bei Experten aus Botanik, Naturschutz, Obstbau etc. ergänzen die
Geländearbeit. So sollte es trotz der Größe des Untersuchungsgebietes gelingen, einen repräsentativen Eindruck
von der aktuellen Verbreitung im Breisgau und im nördlichen Markgräflerland zu erhalten.
| Laufzeit: |
April 2011 - Juli 2011 |
| Referent:: |
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| Korreferent: |
Prof. Dr. Albert Reif |
| Bearbeitung: |
Manuel Jansen |
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