Die Niederwälder der Unteren Mosel vor dem Hintergrund touristischer Inwertsetzung

Anita Lincke, Magisterarbeit - 2011

 

Hintergrund:
Die Wälder der Unteren Mosel sind zu großen Teilen aus Stockausschlag hervorgegangen. Dies gilt auch für den Moselabschnitt zwischen den Gemeinden Alf und Moselkern. Mehrheitlich wurden die bewaldeten Flächen früher als Niederwald mit Rottwirtschaft oder Lohegewinnung für die Ledergerbung bewirtschaftet. Heute wird erneut über Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten dieser Flächen nachgedacht. Unter zahlreichen, verschiedenartigen Aspekten kommt ihnen eine hohe Bedeutung zu. Hierzu zählt insbesondere ihr naturschutzfachliches Potential. Auch für die Akteure im Fremdenverkehr sind sie von Interesse, denn das Moselgebiet profitiert wirtschaftlich stark von der Wertschöpfung im Tourismussektor. Als landschaftsprägendes Element beeinflussen die Stockausschlagflächen die Wahrnehmung der Menschen, die sich in der Freizeit oder im Urlaub bei landschaftsbezogener Erholung an der Mosel aufhalten. Zudem vermitteln sie über ihre charakteristischen Merkmale vor dem Hintergrund ihrer kulturhistorischen Zeugniskraft einen besonderen Zugang zur Kulturlandschaft.

 

Zielsetzung:
Die Abschlussarbeit zielt darauf ab, diejenigen Stockausschlagflächen auszumachen, denen aufgrund ihrer kulturhistorischen Bedeutung als Niederwald sowie ihrer topographischen Lage in Bezug zu touristisch genutzter Infrastruktur eine besondere Bedeutung beigemessen werden kann. Diese beiden Faktoren sollen, kombiniert darstellbar gemacht, einen potentiellen touristischen Gesamtwert der Einzelflächen repräsentieren und kartographisch veranschaulicht werden. Die dabei gebildeten Relevanzklassen könnten für dieselben Flächen in weiterführenden Schritten z. B. naturschutzfachlichen Hierarchisierungen gegenübergestellt und somit ein Gesamtpotential ermittelt, sowie besonders sensible Areale mit hoher Konflikt-Wahrscheinlichkeit identifiziert werden.

Vorgehensweise:
Eine GIS-gestützte Analyse, Recherchen zu touristischen Infrastrukturen in aktuellen Online-Portalen und Methoden der historischen Geographie ergänzen einander hier: historisch belegbare Niederwaldflächen wurden in Primärquellen aus privater Hand und über Archivarbeit vor Ort im Landeshauptarchiv Koblenz erfasst. Ihre genaue topographische Lage und zeitliche Kontinuität bis heute als forstlich genutzte Flächen wurden im Abgleich mit aktuellen Online-Liegenschaftskatastern des Landes RLP verifiziert. Anschließend wurden Daten zur touristischen Leitinfrastruktur im Untersuchungsraum in sechs Strukturklassen anhand von Online-Portalen der Tourismusverbände ermittelt und in ArcGIS zusammen mit den Stockausschlagflächen bearbeitet: Um die Infrastrukturklassen wurden Pufferzonen anhand von Toleranzwerten für Umwege bei der Nutzung von Freizeitinfrastruktur, sowie von Schätzwerten für die Einsehbarkeit der Stockausschlagflächen gelegt. Mittels Verschneidung mehrerer Parameter dieser Raumstrukturen bei der GIS-gestützten Analyse wurden die Stockausschlagflächen hinsichtlich touristischer Wahrnehmungswahrscheinlichkeiten hierarchisiert und als Wertklassen im Raum differenziert dargestellt.

 

 

Laufzeit:
Oktober 2010 - Februar 2011
Referent::
Dr. Helmut Saurer (Institut für Physische Geographie)
Korreferent:
Prof. Dr. Werner Konold
Betreuer:
Prof. Dr. Werner Konold, Timea Helfrich
Bearbeitung: Anita Lincke

 

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Aktualisiert: 20.11.12 ac