Nutzungsgeschichte und Vegetationsstruktur von Steineichen-Dehesas auf der Gemarkung Monroy in Südwest-Spanien

Zusammenfassung

Die Dehesas in Südwest-Spanien sind offene, parkartige Wälder aus Stein- und Korkeichen, die durch den Einfluss menschlicher Nutzung entstanden sind. Das vorherrschende Landnutzungsmosaik in den Dehesas aus Ackerbau, Viehwirtschaft und forstlicher Nutzung in Kombination mit der vertikalen Vegetationsschichtung sorgt für einen einzigartigen Strukturreichtum. In dieser größten zusammenhängenden und artenreichen Kulturlandschaft Europas findet ein tiefgreifender Wandel des Landnutzungssystems statt. Die Steineichen in der Baumschicht sind oft überaltert und es fehlt ein ausreichendes Verjüngungspotential, ohne das die Erhaltung der hohen Biodiversität in Zukunft nicht möglich sein wird. Ziel dieser Arbeit ist :

  • die Dokumentation der Veränderung vom historischen zum aktuellen Landnutzungssystem,
  • die Untersuchung des Einflusses von Landnutzungsgeschichte, Nutzungsintensität und ökologischen Standortsfaktoren auf die aktuelle Vegetationsstruktur und
  • die Ausarbeitung von Strategien für eine zukünftige nachhaltige Bewirtschaftung und den langfristigen Erhalt der Dehesas.

Die Betrachtungsebene stellt der einzelne Betrieb dar, um die Landnutzungsgeschichte und die Vegetationsstruktur flächenscharf in Verbindung zu bringen.

Die Arbeit basiert auf einem breiten Methodenspektrum, das sich in zwei Untersuchungsstränge teilt. Einerseits wird anhand von qualitativen Interviews mit Zeitzeugen und Betriebsleitern, alten Betriebsdokumenten, Katasterdaten, Luftbildern und terrestrischen Kartierungen eine historische und aktuelle Landnutzungsanalyse durchgeführt. Andererseits wird der Zustand der Vegetationsstruktur und der Verjüngung sowie die Beweidungsintensität mit Hilfe eines Stichprobenverfahrens mit Methoden des Plotless-Sampling, der Frequenzmessung und festen Probeflächen quantitativ bestimmt. Die Steineichenindividuen werden nach Dimension in die Klassen adulte Bäume, Jungbäume und Juvenile eingeteilt. Die Stichprobenpunkte werden zufällig bestimmt. Untersuchungseinheit sind jeweils die Viehkoppeln innerhalb der Betriebe. Es werden auf drei Betrieben (Betriebsgrößen: 561 - 797 ha) insgesamt 31 Viehkoppeln untersucht. Alle statistischen Auswertungen werden mit der Software SPSS for Windows 11.0 durchgeführt.

Die traditionelle Bewirtschaftung auf den untersuchten Betrieben in den 1950er Jahren zeichnete sich durch die Vielfalt eines agrosilvopastoralen Nutzungssystems aus. Die Betriebe beschäftigten bis zu 15 Arbeiter fest, zusätzlich wurden Saisonarbeiter eingestellt. Alle Betriebe kultivierten Getreide in einem Rotationssystem zwischen drei bis fünf Feldern. Die Viehwirtschaft wurde mit bis zu fünf Vieharten und robusten, einheimischen Nutztierrassen betrieben. Das Vieh wurde im Hütesystem gehalten. Zusätzliches Futter für das Vieh stammte aus dem eigenen Getreideanbau. Ende der 1960er Jahre lagen die Viehbesatzdichten bei ca. 0,2 Großvieheinheiten ha-1. Die Baumschicht hatte eine große Bedeutung als Energie- und Futterlieferant und wurde durch forstliche Maßnahmen, wie Baumschnitt und Selektionen, gepflegt.

Der Landnutzungswandel vom traditionellen zum heutigen Nutzungssystem beginnt Ende der 1950er Jahre mit der "Krise der Dehesas". Entscheidende Faktoren dafür sind Emigration der Landbevölkerung, Verfall der Woll- und Fleischpreise, die Schweinepest und die Einführung von Brennholzsubstituten, wie Strom und Gas. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU hat entscheidenden Einfluss seit dem Beitritt Spaniens 1986.

Das heutige Landnutzungssystem ist somit stark verändert. Auf jedem Betrieb sind nur noch ein bis zwei Arbeiter beschäftigt, die sporadisch von zusätzlichen Arbeitskräften ergänzt werden. Bis auf einen Betrieb, der stark mechanisiert hat, haben alle anderen den Getreideanbau aufgegeben. Die Viehwirtschaft wurde intensiviert und hat sich auf wenige Arten spezialisiert. Die Bedeutung der Schafwirtschaft ist gegenüber der Rinderhaltung zurückgegangen. Die Lämmermast findet in Stallhaltung statt. Es werden hauptsächlich eingeführte und gekreuzte Nutztierrassen gehalten. Die Viehbesatzdichte ist von 0,2 auf ca. 0,3 Großvieheinheiten ha-1 gestiegen. Auf den Betrieben ist der Energieinput durch den Zukauf von externen Futtermitteln gestiegen. Die Bedeutung der Baumschicht hat aufgrund von Substituten abgenommen. Pflegemaßnahmen erfolgen unregelmäßig oder wurden ganz aufgegeben. Nebennutzungen wie Jagd oder Imkerei wurden verstärkt.

Die Dichten der adulten Steineichen variieren auf den Betrieben zwischen 23,8 und 34,9 Individuen ha-1 und liegen damit im unteren Bereich der klassischen Dehesadichten (zwischen 10 - 80 Individuen ha-1). Die Altbäume sind regelmäßig im Raum verteilt, was auf die menschliche Selektion zurückzuführen ist. Die Altersstruktur zeigt die meisten Individuen in den älteren Klassen. Der Einwuchs in die Baumschicht ist gering. Die Jungbaumdichten liegen mit einem durchschnittlichen Wert von 82,0 Individuen ha-1 über denen der Baumschicht. Die Hauptwuchsform stellt das Kuhbuschstadium dar. Die Dichten der juvenilen Steineichen liegen mit 51,2 Individuen ha-1 signifikant unter denen der Jungbäume. Zwischen den einzelnen Viehkoppeln ist ein starker Unterschied bei den Dichten der Jungbäume und der Juvenilen zu beobachten. Die Strauchschicht variiert in Diversität und Dichte am stärksten zwischen den Betrieben.

Von den aufgenommenen Indikatoren für die Beweidungsintensität konnte in einer Korrelationsanalyse nach Pearson zwischen der Dichte der Kotstellen und dem Verbissgrad der Jungbäume und Juvenilen ein statistisch signifikanter Zusammenhang und damit eine interne Konsistenz nachgewiesen werden. Zwischen diesen Indikatoren und den verschiedenen Dimensionsklassen der Steineiche bestehen nach einer MANCOVA-Analyse jedoch keine statistisch signifikanten Zusammenhänge, obwohl beide Dimensionsklassen der Steineichenverjüngung einen hohen Verbissgrad aufweisen. Somit konnten keine Auswirkungen der gegenwärtigen Beweidungsintensität auf die Vegetationsstruktur und insbesondere die Dichte der Verjüngung festgestellt werden. Es wird vermutet, dass sich alle in dieser Arbeit untersuchten Beweidungsintensitäten bereits auf zu hohem Niveau befinden, um einen deutlichen Effekt zwischen den einzelnen Bewirtschaftungseinheiten feststellen zu können. In gänzlich unbeweideten Steineichenbeständen ist eine Verjüngung möglich, genauso wie sich in aufgegebenen Dehesas nach gewisser Zeit eine Regeneration der Steineiche einstellt. Der Schwellenwert der Viehbesatzdichte, ab dem eine Verjüngung der Steineiche möglich wäre, müsste folglich weit unter allen in der Praxis üblichen Viehdichten liegen.

Die Dichten der Juvenilen und Jungbäume sind deutlich mit der Altbaumdichte, der Dichte der Strauchschicht und dem Deckungsgrad der Felsen korreliert. Außerdem treten beide Verjüngungsklassen im Gegensatz zu den adulten Bäumen räumlich geklumpt auf. Die Regeneration der Steineiche ist somit in den Dehesas von den "sicheren Aufwuchsorten" Felsen und Sträuchern, von denen u.a. Schutz vor Viehverbiss und Sonnenstrahlung gewährt werden, abhängig. Zudem nehmen die Dichten aller Dimensionsklassen der Steineiche aufgrund verbesserter Wasserversorgung und gemindertem Viehverbiss bei zunehmender Hangneigung zu. In einem Vergleich zwischen den Betrieben fielen die geringen Dichten von Juvenilen und Jungbäumen auf dem Betrieb, der noch Ackerbau betreibt, auf. Das Ergebnis und die Feldbeobachtungen lassen den Eindruck entstehen, dass Ackerbau und Entbuschungen als weit größeres Hindernis für die Regeneration der Steineiche als die Beweidung gesehen werden muss.

Als Hauptgefahren für den Fortbestand der Dehesas wurden die Überweidung und Übernutzung der Eicheln sowie der periodische Ackerbau identifiziert. Die Verjüngung der Steineiche wird dabei mehr von den ökologischen Standortsfaktoren und den langfristigen Landnutzungen als direkt von den gemessenen Beweidungsintensitäten gesteuert. Lösungsmöglichkeiten auf betrieblicher Ebene könnten kleinflächige, periodische Flächenausschlüsse zwischen 20 - 30 Jahren von Beweidung und Ackerbau in einem rotierenden System, kombiniert mit einem verbesserten Viehmanagement und schonenderen Bodenbearbeitungsverfahren, sein. Geringere Viehbesatzdichten unter Beibehaltung des vorherrschenden Viehmanagements scheinen angesichts des sehr niedrigen Schwellenwerts der Beweidungsintensität, ab dem eine gesicherte Verjüngung der Steineiche möglich ist, langfristig nicht weiterzuhelfen. Mehrere in der Region existierende Aufforstungsmaßnahmen mit jungen Stein- und Korkeichen, deren Effektivität sich in den nächsten Jahrzehnten aber erst noch zeigen wird, könnten auch eine künstliche Verjüngung der Dehesas möglich machen. Die modifizierte Nutzungssysteme sind aber nur durch eine Veränderung der Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in den Dehesas zu verwirklichen. Mögliche Ansatzpunkte sind hier die Reform der EU-Agrarpolitik zu mehr Prämien für umweltverträgliches und nachhaltiges Wirtschaften, die Entwicklung neuer Marketingstrategien und Absatzmöglichkeiten für die Dehesaprodukte sowie die Förderung alternativer Einnahmequellen aus dem Natur- und Wandertourismus.


Laufzeit:
Januar 2002 - Juli 2002
Projektleiter:
Prof. Dr. Werner Konold
Betreuer:
Tobias Plieninger
Bearbeitung:
Harald Schaich
Kooperation:
Dr. Fernando J. Pulido
Universidad de Extremadura, Plasencia (Spanien)



 

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Aktualisiert: 17.05.11 -hts