Alte Obstsorten im Kaiserstuhl und ihre Verwendung
Christine Axtmann , Bacherlorarbeit - 2009/2010
Hintergrund:
Ausgangslage der Arbeit war die rückläufige Entwicklung der hochstämmigen Obstbäume. Bis vor rund 50 Jahren wurden die alten Sorten als Einzelbäume noch an den Acker- und Feldrändern, in gestreuten Beständen auf Wiesen und vereinzelt in den Weinbergen angebaut. Im Zuge einer Intensivierung des Obstbaus ersetzte man die traditionellen Sorten, die den Marktanforderungen nicht mehr gerecht wurden, durch neue Züchtungen. Neben ökologischen, biologischen, landschaftsästhetischen und weiteren positiven Funktionen, bieten die Streuobstwiesen hinsichtlich ihres Reichtums an verschiedenen Obstarten und -sorten ein wertvolles Genreservoir. Sorteneigenschaften wie die Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge, besondere Fruchtmerkmale oder deren Anpassung an bestimmte Standorte könnten sie für zukünftige Züchtungsvorhaben wieder interessant machen. Darüber hinaus stellen sie ein über Jahrhunderte hinweg entstandenes Kulturgut dar, an dessen Entwicklung viele unterschiedliche Einflüsse der jeweiligen Zeit wirkten. Dieses Erbe gilt es, für zukünftige Generationen zu erhalten. Den Rahmen dieser Arbeit bildet das INTERREG IV – Projekt „Erhalt traditioneller Obstsorten am Oberrhein“.
Ziele und Methodik :
Um die historischen Sorten des Kaiserstuhls und deren frühere Nutzung zu ermitteln, wurde eine Literaturrecherche durchgeführt. Der Schwerpunkt lag hierbei auf älterer Literatur des Untersuchungsgebiets und des badischen Raumes. Auf der Basis qualitativer Leitfadeninterviews wurden in einem weiteren Arbeitsschritt Kaiserstühler Obstbauern zu den alten Sorten, deren Verwendung und Bedeutung befragt. Den Rahmen dieser Arbeit bildet die Darstellung der Entwicklung der alten Obstsorten und des Obstbaus sowohl auf lokaler als auch auf übergeordneter Ebene.
Ergebnisse:
Die Ergebnisse zeigen, dass der Obstbau im Kaiserstuhl eine lange Tradition hat und seit Jahrhunderten eine Einkommensquelle darstellt. Trotz wechselnder Schwerpunktsetzungen bei den angebauten Obstarten und -sorten dominierten im klimatisch begünstigten Kaiserstuhl seit jeher das Steinobst wie Kirschen und Pflaumen. Die lange Entwicklungsgeschichte im Untersuchungsgebiet brachte durch die Selektion vieler Generationen von Obstbauern eine Vielfalt an Kirschen-Lokalsorten hervor. Bei Pflaumen und dem Kernobst wurden in der Hauptsache die sogenannten pomologisch beschriebenen Sorten angebaut, also solche, die aufgrund bestimmter Eigenschaften bewährt und weit verbreitet waren. In erster Linie wurden frühreifende Sorten für den Marktverkauf kultiviert. Nach einem obstarmen Winter bedeuteten die Frühsorten das erste Frischobst auf den Märkten, womit die Bauern gute Preise erzielten. Aber auch spätreifendes Obst, das bis ins nächste Frühjahr lagerfähig war, kam zum Verkauf. Insbesondere die gut ausgereiften Winterobstsorten eigneten sich für die Herstellung von Apfelwein und Schnaps. Diesen Verwertungsarten wurde in erster Linie jenes Obst zugeführt, welches über die Märkte nicht absetzbar war. Große Obstmengen konnten auf diese Weise für mehrere Jahre in eine haltbare Form überführt werden. Im Haushalt war die Herstellung von Dörrobst und Säften, das Einkochen zu Marmeladen, Gelees und Mus sowie in neuerer Zeit das Einwecken gängige Methoden zur Haltbarmachung des Obstes. Für die einzelnen Verwertungsarten konnten im Rahmen der Erhebung besonders geeignete Sorten herausgearbeitet werden, welche die Bauern in einigen Fällen eigens dafür anbauten.
| Laufzeit: |
Dezember 2009 – März 2010 |
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| Bearbeitung: |
Christine Axtmann |
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