Traditionelle Landnutzungen in renaturierten Auen: Effekte der Wiedervernässung auf die Vegetation von Mahd- und Weideflächen
Beatrice Barthelmes, Bachelorarbeit - 2010
Hintergrund:
Seit dem 19. Jahrhundert hat der Mensch mit zunehmender Intensität Fließgewässerauen verändert, ohne dabei ihre natürlichen ökologischen Funktionen zu berücksichtigen. Die Regulierungen der Flüsse und Bäche mittels wasserbaulicher Maßnahmen wie Gewässerbegradigungen, die Errichtung von Deichen sowie Wasserentnahme und -umleitung verhindern seitdem die natürliche Überschwemmungsdynamik. Des Weiteren beeinträchtigen Düngemittel, Herbizide und Schwermetalleinträge durch intensive Landnutzung die Lebensraumfunktion der Auen maßgeblich. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind jedoch auf diese Feuchtgebiete angewiesen und verzeichnen seit der Intensivierung der Gewässerauen starke Populationsrückgänge. Seit einiger Zeit werden deshalb Maßnahmen ergriffen (Renaturierungen), um die ursprüngliche Funktionsfähigkeit der Auen als Lebensraum wiederherzustellen. Um extensives Feuchtgrünland zu entwickeln und langfristig zu erhalten, werden im Rahmen eines Renaturierungsprojektes ab 2003 an der Syr (Luxemburg) zum einen robuste Galloway-Rinder aus Schottland in einem extensiven Weidesystem und zum anderen eine einschürige Mahd eingesetzt. Durch die räumlichen und zeitlichen Nutzungspräferenzen der Großherbivoren soll ein abwechslungsreiches Vegetationsmosaik entstehen. Auf den Flächen, die nach der Renaturierung weiterhin als Mähwiesen genutzt werden, wird das benötigte Raufutter der Rinder für die Wintermonate gewonnen. Diese Bereiche unterliegen bis zum Mahdtermin – im Gegensatz zu den Weiden – keinerlei Störungseinflüssen wie Viehtritt und -fraß.
Ziele und Methodik:
Im Rahmen dieser Bachelorarbeit werden die vegetationsökologischen Effekte der extensiven traditionellen Landnutzungsformen Beweidung und Mahd in der renaturierten Syr-Aue analysiert und quantifiziert. Anhand von 4 m² großen gepaarten Probeflächen ( „ paired plots “ ) werden entlang der Nutzungsgrenze Weide- / Mahdflächen Vegetationserhebungen durchgeführt. Neben der floristischen Artenvielfalt werden auch die Deckungsgrade der vorgefunden Pflanzen nach der semi-quantitativen Artmächtigkeitsskala von Londo erfasst. Zusätzlich werden die prozentualen Flächenanteile von Gräsern, Blütenpflanzen, Kot- und offenen Bodenstellen ermittelt. Vegetationsparameter wie die durchschnittliche Vegetationshöhe, die Oberhöhen der Vegetationsschichten sowie die Verbiss- und Trittintensität werden darüber hinaus aufgenommen. Die erhobenen Daten werden statistisch und vegetationskundlich ausgewertet. Das genaue Nutzungsregime der untersuchten Mahd- und Weideflächen in den letzten Jahren wird durch Interviews mit den bewirtschaftenden Landwirten rekonstruiert.
Vorgehensweise:
Es wird erwartet, dass die Bewirtschaftungsformen Beweidung und Mahd langfristig unterschiedliche Auswirkungen auf die floristische Zusammensetzung der betroffenen Flächen haben werden. Auf den beweideten Flächen werden sich durch die Futterselektion, Verbiss und Tritt der Rinder strukturreichere Pflanzenbestände als auf den Mahdflächen ausbilden. Störungseinflüsse wie Viehtritt und -verbiss werden störungstoleranten Pflanzen Konkurrenzvorteile gegenüber störungsempfindlicheren Pflanzenarten verschaffen und diese somit mittelfristig verdrängen. In offenen, durch Tritt entstehenden Bodenstellen können sich zudem lichtbedüftige Pionierarten ansiedeln. Auf den Mähwiesen wird sich dagegen eine gleichmäßigere Vegetationsstruktur mit vorwiegend schnitttoleranten, aber beweidungsempfindlichen Arten erhalten können, die sich bereits vor der Renaturierungsmaßnahme durch eine zweischürige Mahd etablieren konnten.
| Laufzeit: |
Juni - September 2010 |
| Referent: |
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| Koreferent: |
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| Bearbeitung: |
Beatrice Barthelmes |
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