Nutzungsgeschichte und Landschaftsentwicklung von Auen in Luxemburg

Mitteleuropäische Fließgewässer und ihre Auen wurden in den letzten Jahrhunderten sehr stark von kulturtechnischen Maßnahmen verändert. Mit diesen Veränderungen verloren die Fließgewässer im Laufe der Zeit sehr wichtige ökosystemare Funktionen. Außerdem erfolgte durch die Entdynamisierung der Flusslandschaften eine Verarmung an Biodiversität. Die wachsende Hochwassergefahr und der Artenschwund der heimischen Tier- und Pflanzenwelt haben zu einer Debatte um eine nachhaltige Entwicklung dieser Lebensräume geführt.

In Luxemburg ist diese Diskussion aufgrund der Planung und Umsetzung mehrerer Projekte zur Renaturierung von Fliessgewässern und der extensiven Nutzung ihrer Auen sehr aktuell. Die Nutzungsgeschichte der Auen, die damit verbundene Landschaftsentwicklung und die eigentlichen Triebkräfte für diese Veränderungen sind aber für Luxemburg erst in Ansätzen bekannt. Die Aufstellung eines naturschutzfachlichen und landschaftsplanerischen Leitbildes für die zukünftige Entwicklung der Auen sollte jedoch in Kenntnis der historischen Landschaftsentwicklung erfolgen. Der kulturelle Einfluss hat neben den naturräumlichen Vorraussetzungen massiv zum heutigen Erscheinungsbild und der Eigenart dieses Landschaftsteils beigetragen.

Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Nutzungsgeschichte und Landschaftsentwicklung von Auen in Luxemburg zu dokumentieren. Dabei wird mit Hilfe einer historischen Landschaftsanalyse versucht, ehemalige Landschaftszustände zu rekonstruieren, kultur-historisch bedeutsame Elemente aufzuspüren und vor diesem Hintergrund aktuelle Leitbilder der Landschaftsplanung und des Naturschutzes zu diskutieren und zu bewerten. Folgende Fragestellungen werden dabei behandelt: Wie sahen die Auen zu verschiedenen Zeitepochen aus? Welche Triebkräfte führten zu Veränderungen der Auen? Welche Auswirkungen hatten diese Änderungen auf das Ökosystem? Welche Konflikte ergaben sich daraus und wie wurde damit umgegangen? Wie schnell erfolgte dieser Wandel? Wie sehen die Auen heute aus und wie können sie in Zukunft aus naturschutzfachlicher und landespflegerischer Sicht weiterentwickelt werden?

Die Diplomarbeit verbindet Methoden der historischen Landschaftsanalyse, der Geschichts- und Sozialwissenschaften und der Landschaftsökologie. Zunächst wird Sekundärliteratur über die Entwicklung von Auen in Mitteleuropa recherchiert und ausgewertet. Dann wird der Fokus auf Auen in Luxemburg gerichtet. Um hier spezielle flächenscharfe Informationen über Landnutzung und die Dynamik von Objekten zu erlangen, wird historisches Quellenmaterial z.B. Akten oder Urkunden analysiert, welche sich Besitz von verschiedenen Verwaltungen, Archiven bzw. in Privatbesitz befinden. Ebenso können alte Gewässernamen, Ortsnamen und Flurnamen Informationen zur Landschaftsgeschichte liefern. Entlang bestimmter Gewässerabschnitte werden die Ergebnisse der historischen Landschaftsanalyse mit dem aktuellen Zustand verglichen. Dabei werden noch vorhandene Kulturlandschaftselemente und Spuren von vergangenen Epochen aufgespürt, inventarisiert und kartiert.

Die Erkenntnisse aus dieser historischen Landschaftsanalyse bilden die Grundlage, um aus naturschutzfachlicher und landeskultureller Sicht, Leitbilder für Flusslandschaften zu entwickeln. Ziele und Maßnahmen der Landschaftsplanung, des Naturschutzes und der Landschaftsentwicklung werden aufgegriffen und im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung diskutiert. Dabei ist ein sich ständig verändernder Wertewandel unserer Gesellschaft zu berücksichtigen. Diese Diplomarbeit sollte außerdem aufzeigen, wie wichtig es bei rezenten Landschaftsplanungsvorhaben und naturschutzfachlichen Maßnahmen ist, zu wissen, wie eine bestimmte Landschaft sich im Laufe der Zeit in einem ständig fortlaufenden Prozess und der Veränderung der Ansprüche der Bevölkerung an diese Landschaft entwickelt hat.

Laufzeit:
22. Mai. 2006– 23. November 2006
Projektleiter:
Prof. Dr. Werner Konold
Korreferent: Prof. 
Prof. Dr. PD Dr. Uwe E. Schmidt
Betreuer:
Harald Schaich
Bearbeitung:
Jacques Karier



 

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Aktualisiert: 25.07.06