Produktion von Wertholz mit Obsthochstämmen im nördlichen Kaiserstuhl – neue Nutzung eines traditionellen Landschaftselements?

Ausgangslage:
Der nördliche Kaiserstuhl ist landschaftlich besonders reizvoll. Neben dem Weinbau birgt vor allem der Obstbau dominante Landschaftselemente. Traditionell spielen Walnussbäume und besonders auch Süßkirschen- Obsthochstämme eine große Rolle. Die Kirschen werden neben der Herbstfärbung in erster Linie durch die intensive Blüte landschaftsprägend und stellen somit auch einen wichtigen Magneten für den regionalen Tourismus dar.
Derzeit wird im nördlichen Kaiserstuhl eine Verarmung der Landschaft an Kirschen- Hochstämmen und Walnussbäumen wahrgenommen. Alte Hochstamm- Obstwiesen verschwinden und werden durch Intensivobstanlagen oder andere Nutzungen ersetzt. Auch Einzelbäume werden zunehmend aus der Landschaft entfernt. Diese Entwicklung führt zu einer immer stärker wahrgenommenen Veränderung des Landschaftsbildes. Zudem geht mit den alten Bäumen ein entscheidender Teil des Ökosystems verloren, der wichtige ökologische Funktionen, zum Beispiel für bedrohte Vogelarten wie den Steinkauz, erfüllt.
Aus diesem Grund wurden bereits von PLENUM Projekte initiiert, um die Bestände an Hochstämmen im nördlichen Kaiserstuhl zu erhalten und zu fördern. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten liegt dabei in Ansätzen zur Nutzung und Vermarktung von Hochstamm-Süßkirschen.

Zielsetzung und Aufbau der Arbeit:
In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob im Rahmen eines Agroforstsystems die Produktion von Wertholz durch Obsthochstämme eine sinnvolle Nutzungsform im nördlichen Kaiserstuhl darstellt.
Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich entlang des nördlichen Randes des Kaiserstuhls von Endingen bis nach Sasbach und Wyhl.
In einem ersten Schritt soll die Abnahme der Hochstämme dokumentiert werden. Hierbei wird der Frage nachgegangen, auf welchen Flächen und in welchen Zeiträumen starke Abnahmen zu verzeichnen waren und welche Folgenutzung auf den Flächen erfolgt.
Zudem soll die Motivation für die Entfernung der Bäume gestern und heute evaluiert werden.
Anschließend werden mögliche Nutzungskonzepte für Kirsch- und Walnuss-Hochstämmen beschrieben und diskutiert. Die Baumarten Kirsche und Walnuss werden betrachtet, da sie traditionell in dieser Landschaft genutzt werden und beide sehr wertvolles Holz produzieren können. Auch die Möglichkeit der Fruchtnutzung soll in dieser Diskussion berücksichtigt werden.
Zudem werden mögliche Flächen für die Wertholzproduktion betrachtet und die Möglichkeiten zur Integration der Bäume in die Landschaft dargestellt werden (Baumreihen auf Landwirtschaftlichen Flächen, Führhäupter, Einzelbäume). Hierbei wird auf die Möglichkeit der Unternutzung der Bäume im Sinne eines Agroforstsystems eingegangen.
In einem weiteren Schritt wird erhoben, ob Flächenbesitzer im Untersuchungsgebiet die Wertholzproduktion als eine konkurrenzfähige und sinnvolle Form der Flächennutzung ansehen.
Zudem werden Konfliktpotentiale und Probleme der Wertholzproduktion - insbesondere mit Hinblick auf den Naturschutz, aber auch in bezug auf die unsichere Prognose der Erträge - dargestellt und diskutiert.

Methoden:
Die Diplomarbeit arbeitet mit Methoden der historischen Landschaftsanalyse und der empirischen Sozialforschung. Zur Dokumentation des Rückgangs der Hochstämme werden Luftbilder und historische Landschaftsaufnahmen sowie Literatur und Statistiken ausgewertet.
Die Motivation für die Entfernung der Bäume sowie die Einstellung zu dem neuen Nutzungs- Ansatz wird mithilfe von Interviews entsprechender Landwirte, Obstbauberater sowie Vertretern aus Naturschutz und Tourismus erhoben.

 

Laufzeit:
November 2007 – Juni 2008
Projektleiter:
Prof. Dr. Werner Konold
Koreferent:
Prof. Dr. Spiecker
Betreuer:
Tatjana Reeg
Bearbeitung:
Manuel Oelke



 

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Aktualisiert: 04.03.09