Landschaftsdarstellung und Landschaftssymbolik im Kinofilm "The Lord of the Rings - The Fellowship of the Ring"

Das Medium Film gewinnt in unserer Welt zunehmend an Bedeutung. Das war Anlass zu untersuchen, wie in dem Film THE LORD OF THE RINGS - THE FELLOWSHIP OF THE RING (Der Herr der Ringe - Die Gefährten) und in dem ersten Teil des Romans von J. R. R. Tolkien, der dem Film als Vorlage diente, die Landschaft dargestellt wird, wie sie Emotionen befördert und inwiefern sich darin allgemeine und traditionelle Denkmuster wiederfinden. In Ermangelung schon vorhandener Methoden der Analyse von Landschaft im Film wurde eine eigene entwickelt, wobei besonders darauf geachtet wurde, die verschiedenen visuellen und auditiven Informationen, die das Medium Film vermittelt, in ihrer Gesamtheit zu erfassen.

Ausgangspunkt der Untersuchung war die detaillierte Analyse von Beispielbildern, die einen repräsentativen Ausschnitt der zu untersuchenden Landschaft zeigen. Der Roman wurde mit Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Um die Wirkung der Landschaften besser zu verstehen, wurden in der Diskussion die gängigsten Theorien der Landschaftsästhetik herangezogen.
Die ersten beiden der acht für die Analyse ausgewählten Landschaften zeigen die Heimat der Hobbits. Während das erste Landschaftsbild einen Hutewald in der Art eines arkadischen locus amoenus zeigt und deutlich in der Tradition der klassischen Pastorale steht, wird mit dem zweiten ein idyllisches Arkadien in Form einer strukturreichen Kulturlandschaft entworfen. Beide Landschaften strahlen Harmonie zwischen den Hobbits und der Natur und Geborgenheit aus. Im Gegensatz dazu steht als dritte Landschaft eine weglose Wildnis, die im Film durch eine verbuschende Brachfläche dargestellt ist. Mit dieser Landschaft wird Verlorenheit verbunden. Die Landschaft von Rivendell bezieht einen besonderen Reiz aus dem Kontrast einer dramatischen, erhabenen Felsenschlucht mit der Geborgenheit eines Hauses. Nach dem Verlust eines Freundes trauern die Protagonisten in der nächsten Landschaft auf einem kahlen Karstplateau. Die graue Felslandschaft unterstützt eindrucksvoll die Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Trauer. Der erhabene Hallenwald von Caras Galadhon dagegen wird als Kathedrale inszeniert. Damit stehen die Filmemacher in einer langen Tradition der Verbindung von Wald und Kirche. In einer Vision ist die verwüstete Heimat der Hobbits zu sehen. In diesem Bild wird mit drastischen Mitteln die Bedrohung der arkadischen Heimat durch Industrialisierung und Verstädterung thematisiert. Die achte Landschaft, ein Südbuchenwald, hat keinerlei emotionale oder symbolische Funktion und bildet lediglich eine neutrale Kulisse.
Es wurde festgestellt, dass positive Emotionen mit einer Zuneigung zur Natur verbunden sind, während die Abwesenheit von Pflanzen oder deren Zerstörung mit negativen Emotionen konnotiert sind. Als wichtigste Konzepte der Landschaftsinszenierung konnten Geborgenheit und Erhabenheit identifiziert werden. Es wurde aufgezeigt, dass die Sehnsucht nach Geborgenheit in arkadischer Natur ein uralter Traum ist, der dem Stadtleben und der Industrialisierung als Wunschvorstellung entgegengestellt wird. Die komplexe Idee der Erhabenheit besteht ebenfalls schon seit der Antike. Beide Konzepte haben offensichtlich nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Der Film steht in einer langen Tradition solcher Naturvorstellungen und führt sie weiter.

Die Arbeit wurde zwischezeitlich als Culterra-Heft 42 veröffentlicht.

Laufzeit:
November 2003 - Mai 2004
Projektleiter:
Prof. Dr. Werner Konold
Korreferent:
-
Betreuer:
Franz Höchtl
Andreas Reinbolz
Bearbeitung:
Roland Schäfer



 

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Aktualisiert: 26.06.06 kai