Historische Landschaftsanalyse

Unter einer historischen Landschaftsanalyse versteht man die Rückschreibung historischer Landschaftszustände. Dabei werden Phasen und Prozesse kulturlandschaftlicher Entwicklung ermittelt und dargestellt. Sie liefert Kenntnisse über Landschaftszusammenhänge und lernt uns die individuellen Züge einer Landschaft kennen und zu interpretieren. Diese Form der Analyse ist ein geeignetes Mittel kulturhistorisch bedeutende Elemente aufzuspüren, zu dokumentieren und zu erhalten. Als Quellengattungen kommen Schriftquellen (Urkunden, Verwaltungsakten, Karten und Bilder) in Frage. Aber auch Sachquellen, wie Bauwerke, morphologische Kleinformen, archäologische Befunde etc. finden Verwendung (SCHWINEKÖPER, 2000).

In den bisher aufgesuchten Archiven lagern Akten zu Erweiterungsmaßnahmen bestehender Wasserkraftnutzungen, zu Rechtsstreitigkeiten zwischen Wiesen- und Mühlenbesitzern, zu den Wässerungszeiten der einzelnen Wiesenbesitzer sowie eine Vielzahl anderer Vorgänge. Ergänzt werden diese Verwaltungsakten durch umfangreiches Abbildungsmaterial zur technischen Umsetzung der Ausleitungen, Stau- und Turbinenanlagen zu Beginn des 20. Jh.

Als Kartenwerke existieren aus dem späten 18. Jh. "Pläne zur Ausmessung des Banns" der verschiedenen Gemeinden, Gemarkungspläne vom Ende des 19. Jh. im Maßstab 1:10.000 und topografische Karten M 1:25.000 von 1960 und den 1990er Jahren sowie auszugsweise die Deutsche Grundkarte M 1:5.000 in historischen Ausgaben. Auch einfache Arbeitsskizzen können sehr hilfreich sein, die ebenfalls in verschiedenen Archiven recherchiert wurden.

Anhand von vier Zeitschnitten werden die menschlichen Eingriffe auf die Gewässer aufgezeigt. Die Zeitschnitte liegen zu einem im Hoch- und Spätmittelalter im 13. - 15.Jh. (Gründung und Ausbau der Bergstadt Münster) im 16. - 18. Jh. (Wiederaufblühen des Bergbaus; Ansiedlung von Gewerbe, Brennholztrift,) im 19. Jh. bis Mitte des 20. Jh.(Intensivierung Gewässerausbau, Elektrifizierung) und 1950 bis heute (Aufgabe der Wiesenwässerung). Zu den genannten Zeitschnitten werden Archivalien und kartografische Darstellungen verschiedenen Inhalts und unterschiedlicher Qualität sowie Sekundärliteratur ausgewertet. Anhand dieser Informationen werden Lage und Verbreitung der Gewässertypen (natürliche Fließgewässer, Mühlenkanäle, Schwellweiher etc.), bauliche Veränderungen sowie deren Einfluss auf die Gewässerstruktur, die Hydomorphodynamik und die Flussgenese rekonstruiert.

Die hydrologischen Gegebenheiten wie Niederschlag und Hochwässer in Art, Verlauf und räumlicher Verteilung sind bestimmende Faktoren bei der Wasserkraftnutzung des Flussgebietes. Aus diesem Grund werden neben den archivalischen Quellen Daten zu geomorphologischen und geologischen Verhältnissen sowie Niederschlags- und Abflussbeziehungen des Flussgebietes herangezogen.



 

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Aktualisiert: 17.05.11 - rö