Das Biotop-Kulturwertverfahren
Die Nachteile bisheriger Gewässerstrukturgütekartierungen liegen einerseits in der unzureichenden Berücksichtigung der kulturhistorischen Bedeutung von wasserbaulichen Elementen, und andererseits in der geringen Beachtung des Biotopbildungspotenzials künstlicher Strukturen. Bislang existiert in Deutschland kein einheitliches Verfahren, nach dem die Querbauwerke erfasst und beschrieben werden. Den von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Erfassungsparametern ist jedoch gemeinsam, dass sie die kulturhistorische Bedeutung und das Biotopbildungspotenzial der Querbauwerke vernachlässigen.
Um festzustellen, inwieweit Querbauwerke die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer beeinträchtigen, wurde exemplarisch für den Neumagen die Gewässerstruktur an den künstlichen Querstrukturen qualitativ durch eine standardisierte Erhebung beschrieben. Neben dieser charakterisierenden Beschreibung bezweckte die Bestandserfassung auch, ein Erhebungs- und Bewertungsverfahren aufzuzeigen, das als Biotop-Kulturwert-Verfahren die ökologischen Wirkungen der Querstrukturen wertgebenden Faktoren aus der Kulturlandschaftsgenese gegenüberstellt. Die Erfassung und Bewertung reduziert sich nicht allein auf die morphologisch-funktionelle Ausstattung der Querbauwerke, sondern bezieht die kulturhistorische Bedeutung, die aktuelle Nutzung sowie die Fähigkeit zur eigendynamischen Entwicklung mit ein.
Das Verfahren gliedert sich in drei Teile: Die Bestandserhebung, die Analyse der wertbestimmenden Faktoren und Kulturhistorie sowie in die Bewertung. In Anlehnung an die Gewässerstrukturkartierung von Bayern (BAYLFW 2002) wurde der strukturelle Gewässerzustand am Querbauwerk durch 21 Einzelparameter mit definierten Parametermerkmalen in einem standardisierten Erhebungsbogen erfasst. Diese Einzelparameter sind den vier Hauptparametern Gewässerbettdynamik, Verlagerungspotenzial, Strukturausstattung und Entwicklungsanzeichen zugeordnet. Zusätzlich zu den morphologischen Parametern werden in sieben Einzelparametern wertbestimmende Faktoren und die Kulturhistorie beschrieben.
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